Spielbericht – Wilhelmshavener HV III vs. TuS Holthusen – 12. Spieltag

– Spielbericht –

Regionsoberliga Ems Jade – Saison 2018/2019 – 12. Spieltag

Wilhelmshavener HV III vs. TuS Holthusen 23:22 (12:14)

Hauchdünn die Sensation verpasst

Wenige Zentimeter haben den Herrenhandballer des TuS Holthusen zum ganz großen Coup gefehlt. Mit der letzten Aktion der Partie scheiterte Marcus Wilken mit einem Siebenmeter am Torpfosten und sorgte damit für riesigen Jubel auf Seiten des Wilhelmshavener HV III, denn dem Tabellenführer bescherte dieser Fehlwurf einen 23:22-Heimsieg und wahrte gleichzeitig weiterhin alle Chancen auf die Meisterschaft.

Hätte man Trainer Johann Janssen vor der Begegnung ein derartiges Endergebnis angeboten, hätte er es mit Kusshand angenommen. Schließlich hatten die Rheiderländer mit sehr großen Personalsorgen zu kämpfen und konnten die Reise an den Jadebusen mit nur zehn Spielern antreten. So standen lediglich zwei Feldspieler zum Wechseln zur Verfügung. Und da es gegen keinen geringeren Gegner als den Ligaprimus ging, hatte man sich im Vorfeld auf Seiten des Tabellenvierten gewünscht, eine einigermaßen glimpfliche Niederlage einstecken zu dürfen und bloß nicht unter die Räder zu kommen. Die Hausherren, denen satte 13 Spieler zur Verfügung standen, waren somit der klare Favorit. Nichtsdestotrotz forderte Janssen von seinem Team, an sich zu glauben und in der Rolle des Außenseiters sorgenfrei aufzuspielen, denn der Druck, gewinnen zu müssen, um im Titelzweikampf nicht den möglicherweise entscheidenden Rückschlag zu erleiden, lag eindeutig bei der Mannschaft von Trainer Maik Schlundt. Gegen den wurfgewaltigen und vielbeinigen Rückraum der Heimsieben starteten die Blau-Weißen mit einer 6:0-Abwehrformation, während man im Angriff erneut mit zwei Kreisläufern sein Glück versuchen und möglichst in jedem Angriff viel Zeit von der Uhr nehmen wollte. Und dieses Konzept hatte direkt Erfolg. Denn trotz der personellen und qualitativen Vorteile, die die Wilhelmshavener ohne Zweifel hatten, hielten die Gäste die Begegnung zunächst vollkommen offen. Als dann Mitte der ersten Hälfte die Fehlerquote auf Seiten des TuS für einige Minuten zu hoch war, bestrafte die Drittvertretung des Zweitligisten dies direkt und setzte sich mit drei Toren ab. Wer jedoch dachte, dass die Partie nun ihren vorher erwarteten Verlauf nehmen würde, wurde eines Besseren belehrt. Denn angetrieben vom überragenden Holthuser Keeper Steffen Luikenga, der der beste Spieler auf dem Parkett war und teilweise spektakuläre Paraden zeigte, folgte ab der 25. Minute die beste TuS-Phase der Partie. Aus einem 10:12-Rückstand machte man so durch clevere Angriffsaktionen und sicherlich auch dank etwas Wurfglück eine 14:12-Pausenführung.

Die Pausenansprache nutzte Janssen, um seinen Farben ein großes Lob zu zollen, aber im gleichen Atemzug darauf hinzuweisen, dass noch nichts geschafft ist und die deutlich schwierigere Halbzeit nun erst noch kommen wird. Er sollte zwar Recht behalten, doch seine Spieler hatten durch die unerwartet starke Leistung Blut geleckt und rissen sich auch in der Folge auseinander, um die Führung zu behaupten. Sicherlich auch begünstigt von etwas mehr Schiedsrichterentscheidungen zugunsten der Rheiderländer brachte auch die enge Manndeckung gegen Markus Janssen den TuS nicht aus dem Konzept. Zwar wirkte das Angriffsspiel dadurch noch etwas langsamer als im ersten Durchgang, allerdings gelang es immer wieder Nadelstiche zu setzen und so Torerfolge zu erzielen. Auf der Gegenseite knüpfte Luikenga nahtlos an seiner bärenstarken Leistung an und auch seine Vorderleute kämpften verbissen um jeden Ball. So hatte man auch nach 45 gespielten Minuten noch einen 2-Tore-Vorsprung im Rücken. Da Joachim Freese aufgrund einer Verletzung nur noch sporadisch eingesetzt werden konnte und somit nur äußerst geringe Wechselmöglichkeiten vorhanden waren, mussten die Gäste jedoch mit ansehen, wie sich der Spitzenreiter immer näher herankämpfte und zehn Minuten vor dem Ende erstmals wieder den Ausgleich schaffte. Beiden Teams merkte man die Anspannung in der Schlussphase dann aber deutlich an. Zwar überzeugten auf beiden Seiten die Abwehrreihen, doch den beiden Angriffsreihen konnte man die Angst, den eventuell entscheidenden Fehler zu machen, nicht absprechen. Zweimal gelang es dem TuS dabei zunächst noch, wieder in Führung zu gehen. Weil man in dieser Phase aber zu viele teilweise klare Chancen liegen ließ, gelang den Hausherren jeweils der Ausgleich und eine halbe Minute vor Spielschluss sogar die erste Führung seit der 28. Minute. Der letzte Angriff gehörte dann den Gästen, die die Uhr herunterspielten und mit letzter Kraft noch einen Siebenmeter herausholen konnten. Es folgte jedoch die insgesamt vierte Fahrkarte vom Strich, eine Jubeltraube auf der einen und kollektive Enttäuschung auf der anderen Seite.

Trotz aller berechtigter Niedergeschlagenheit, die logischerweise zuerst einmal überwiegt, können die Holthuser auf diese Leistung mehr als stolz sein und haben einmal mehr gezeigt, dass mit der richtigen Einstellung und Leidenschaft jeder Gegner in der Liga schlagbar ist. Mit einer ähnlichen Vorstellung darf man guter Dinge sein, am Montagabend das Derby-Rückspiel beim SV Sprint Westoverledingen positiv zu gestalten.

TuS Holthusen: Steffen Luikenga (TW), Lars de Buhr (TW), Johannes Kampen (1), Jürgen Dreesmann (1), Joachim Freese, Keno Poppen (5/3), Marcus Wilken (5/2), Thomas Janssen (1), Jan Löning (4), Markus Janssen (5).

Schiedsrichter: Stefan de Vries & Garrelt Hippen

Spielfilm: 3:3 (5. Min.), 6:5 (10.), 8:6 (15.), 10:7 (20.), 12:10 (25.), 12:14 (Halbzeit), 13:16 (35.), 15:18 (40.), 17:19 (45.), 19:20 (50.), 20:21 (55.), 23:22 (Ende).

Zeitstrafen: 0 (TuS) / 5 (WHV)

Siebenmeter: 9 – 5 Tore (TuS) / 2 – 0 Tore (WHV)